Was ist gelb und steht im Hof…?

Evamaria Bohle

Offene Türen

Eigentlich ist der hohe Torbogen am Stadtkloster Segen eine Art Architektur gewordene Verheißung von Weite. Hier öffnet sich ein Raum – sowohl für den der, vom Hof auf die Straße tritt, als auch für die, die von der Schönhauser Allee Richtung Kirche schlendern. Und neuerdings steht quasi an der Schwelle zwischen drinnen und draußen ein Bauwagen – in zitronengelb.  

Die Klosterpforte im Bauwagen ist unsere offene Tür im offenen Tor. Das soll sie jedenfalls werden. Ein paar Stufen laden in der warmen Jahreszeit zum Sitzen ein, eine doppelflügelige Glastür, zwei Fenster zum Hof. Gedämmt, beheizbar, mit Strom und WLAN. Drinnen: ein schmaler Schreibtisch aus dunklem Holz, an der anderen Stirnseite zwei bequeme Stühle und ein Tischchen. Alles schlicht, freundlich und, ja, gewissermaßen abwartend. Mal sehen, ob funktioniert, was wir uns gedacht haben. Die ersten Erfahrungen stimmen zuversichtlich.

Wozu wir eine Klosterpforte brauchen? Um uns erkennbarer zu öffnen für das, was von der Schönhauser Allee in den Kloster-Innenhof vordringt. Was gibt es allein zu hören: Tauben gurren, Autos schnurren, Motorradgeknatter, ab und an Tatütata, klappernde Schutzbleche, Fahrradklingeln, Hundegebell, eilige Schritte, Kinderlachen, fremde Sprachen, das Lied einer Amsel, das leise Vibrieren von der U2, die unter der Erde rumpelt. So viel Lebendigkeit. Das ist unser Kiez. Hier sind wir zuhause, wir mit unserer Affinität zu Gemeinschaft, Stille und Gebet.

Aber zurück zum Torbogen, den man ja auch von außen anschauen kann: Was erlebt, wer von der quirligen Schönhauser zufällig durch das Tor tritt? Man steht am Grunde eines merkwürdig geformten Hofs, umgeben von hohen Mauern. Der Blick schweift nach oben: ein vieleckiges Stück Himmel, schmucke Fassaden, sehr vielen Fenster… – Die Kirchentür ist leider oft verschlossen.

Empfang, Seelsorgekiosk & mehr

Manchmal, zufällig, werkelt gerade jemand vom Konvent im Hof. Dann werden Fragen gestellt: „Wohnen hier Menschen…? Was ist das – ein Stadtkloster?“  – Gar nicht selten beginnen gute Gespräche ungefähr so. Aber, wenn gerade keiner von uns im Hof ist, bleiben alle Fragen ungestellt.  Dann führt der Weg durch den Torbogen eigentlich in eine Art Sackgasse. So war das bislang. Und das darf sich ändern: mit dem gelben Wagen und der roten Bank, die sich bereits zu ihm gesellt hat.

Die Klosterpforte im Bauwagen ist das jüngste „Bauprojekt“ des Stadtklosters, finanziert aus Projektmitteln des Innovationsfonds „Dritte Orte“ der Landeskirche. Geträumt als Infocenter für vorbeiflanierende Neugierige aller Art, als Gästeempfang, aber auch als ein Seelsorgekiosk für Gespräche, die einfach entstehen können, weil jemand da ist, in der „Ansprech-Bar“.   

Derzeit können wir die Pforte nicht jeden Tag öffnen – das liegt an unseren Ressourcen. Bis Jahresende können wir sie aber dank der landeskirchlichen Förderung ein paar Stunden in der Woche verlässlich besetzen. Den Rest der Woche improvisieren wir. Nicht immer hat jemand Zeit, nicht alles lässt sich an einem Laptop erledigen, nicht immer passt es, jederzeit „ansprechbar“ zu sein… Aber der Traum ist, dass wir unsere Pforte und die Kirche jeden Tag mehrere Stunden öffnen können – für Informationen, Gespräche aller Art und – bei Bedarf – für einen „Segen to go“.

Evamaria Bohle

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